Produktionen

2018

about a session

A politic of touch is an exploration of a fleshy democracy. A fleshy democracy implies a political engagement that is flexible and unpredictable as the machines it sustains and builds. This kind of democracy challenges discourses of security as they are maintained in the name of state sovereignity today. Sensing bodies in momvement resist inside and outside. What is the inside outside of a skinscape that folds in and out of an exfoliationg body?

(Erin Manning, Politics of touch)

ABOUT A SESSION

von Anna Konjetzky

Der Begriff “Session” steht unter anderem für:

ein meist mehrtägiges Zusammentreten des Gesetzgebers, die Sitzungsperiode

das zwanglose Zusammenspiel in Jazz- und Rockmusik, die Jamsession

ein oft durch Mittags- oder Kaffeepause begrenzter Abschnitt fachbezogener Sitzungs- oder Arbeitsperioden, die Konferenz.

Unter “Session” kann jedoch auch eine zeitlich begrenzte Zusammenkunft verstanden werden, bei der Grenzen und Regeln gedehnt oder aufgehoben werden, um neue Erkenntnisse und Erfahrungen zu ermöglichen. Diese Form von Session geschieht zumeist unter der Anleitung einer oder mehrerer Personen.

ABOUT A SESSION der Choreographin Anna Konjetzky ist eine Session in diesem Sinne. Vier TänzerInnen untersuchen und verkörpern das Phänomen der sexuellen Stimulation. Im Zusammenspiel von Körper, Musik, Video und Raum fragt die Arbeit nach Funktionsweisen, Historie und gesellschaftlicher Bedeutung von Lust und Erregung. Dabei bestreben die Choreographin und ihr Team weder eine Überwältigungsästhetik noch den dokumentarischen Vortrag. Vielmehr versucht ABOUT A SESSION die Verschmelzung von sinnlichem Erleben und Analyse, ein Nachdenken mit dem Körper. Kann eine Reflektion über Erregung erregen?

Wo werden Grenzen gesetzt in Liebe und Lust, Definitionen von Körpern und Rollenverständnissen vorgegeben? Ist ein Plädoyer im Sinne Georges Batailles für ein Leben im lustgetränkten Ausnahmezustand, zwischen Rausch und Selbst-verlust noch denkbar?

Der Kulturtheoretikerin Erin Manning zufolge bietet jede Berührung von Körpern die Möglichkeit eines offenen Verständnisses vom Selbst und seinem Gegenüber. Wird sich auf dieses permanente Abenteuer der Begegnung eingelassen anstatt auf altbekannte Kategorien und Umgangsformen zurückzugreifen, kann ein neues Verständnis von Demokratie entstehen, das ein-und ausgeht vom individuellen Körper und seinen Beziehungen zu Anderen.

Durch die Zusammenführung von abstrakter Körpersprache, rituellen Sexual-positionen, Theorietexten, persönlichen Beobachtungen und Bildern, die auf die Körper und von den Körpern projiziert werden, kreiert ABOUT A SESSION einen pulsierenden Sog, der immer wieder unterbrochen und neu aufgenommen wird.

Das Gefühl der Geschlossenheit wird unterstützt durch ein geschlossenes Raumgeflecht, das nach Außen hin durchlässig ist und im Inneren Platz für die ZuschauerInnen bietet. Es dient zudem als Projektionsfläche für Bilder, die weitere Assoziationsräume öffnen.

In einer Zeit, in der Sexualität und Erotik vermeintlich omnipräsent konsumierbar sind, nimmt die neue Arbeit von Anna Konjetzky erotische Momente und Praxen der Verführung in den Fokus und fragt nach unserer Lust, Lust auszuleben, ihr zu erliegen. ABOUT A SESSION möchte herausfinden, was das politische Moment von ausgelebtem Verlangen ist.

Produktionsliste

  • Choreographie
    • Anna Konjetzky
  • Tanz
    • Sahra Huby, Quindell Orton, Maxwell McCarthy, Victor Perez Armero
  • Video
    • René Liebert
  • Mit
    • Hannes Hartmann und Leonie Mohr
  • Dramaturgie
    • Sarah Israel, Bastian Zimmermann
  • Musik
    • Sergej Maingardt
  • Projektleitung
    • Sabine Klötzer – SISK